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Colomansfest mit Colomansritt in Schwangau




Nordöstlich von Schwangau neben der Straße nach Hohenschwangau steht im Schatten einiger alter Bäume auf freiem Feld die Kirche St. Coloman. Die Schwangauer Berge mit den berühmten bayerischen Königsschlössern bilden dazu eine großartige Kulisse.

 

Der Patron der Kirche, der heilige Coloman, ein irischer Pilger, wird vielfach als Königssohn dargestellt. Im Jahre 1012 unternahm er eine Pilgerreise ins Heilige Land, die ihn auch durch unsere Gegend geführt hat. Nach örtlicher Tradition hat er an dem alten Brunnen bei St. Coloman gerastet und dann seinen Weg auf der Alpennordseite Richtung Osten fortgesetzt.

In Stockerau bei Wien geriet er im mährigen Grenzland in einen Hinterhalt. Wegen seiner Kleidung und fremdländischen Sprache vermutete man in ihm einen böhmischen oder ungarischen Spion. Er wurde, um ein Geständnis aus ihm zu erpressen, grausam gefoltert.

Coloman bekannte sich als „pauper Christi“, der so auf seinem Pilgerweg dahinwandere. (Im 11./12. Jh. haben sich meist Eremiten als „pauper Christi“ bezeichnet, als Arme im Sinn des Evangeliums.) Man glaubte dem frommen Pilger nicht und erhängte ihn an einem Holunderbaum. Das soll am 17.07.1012 gewesen sein. An seiner Leiche und an seinem Grab ereigneten sich verschiedene Wunder, so dass sehr schnell die Unschuld des Erhängten offensichtlich wurde. Der Landesherr, Markgraf Heinrich I., verfügte 2 Jahre später die Überführung seiner Gebeine nach Melk, wo sie am 13.10.1014 beigesetzt wurden. Auf dieses Datum bezieht sich der Kalendertag des Colomansfestes. Bischof Thietmar v. Merseburg (1009-1018) – mit dem Melker Landesherrn verschwägert – berichtet in seiner zeitgleichen Chronik über diese Vorkommnisse. Auch andere Quellen bestätigen seine Angaben.




Coloman wurde Landespatron von Österreich. Wann die Colomanverehrung in Schwangau ihren Anfang nahm, ist geschichtlich nicht verbürgt. Man darf aber davon ausgehen, dass während der schlimmen europäischen Pestjahre von 1347-1352 am Platz der Wallfahrtskirche ein Pestfriedhof entstand. Dann wurde bald eine erste Colomanskapelle gebaut. Der im Jahr 1429 vom Augsburger Weihbischof Albert ausgestellte Ablassbrief belegt für damals bereits eine rege Wallfahrtstätigkeit. Für das Jahr 1495 ist die Weihe eines Colomanskirchleins mit 3 Altären verbürgt. Kaiser Karl V. hat Schwangau zum Colomansfest 1552 einen Marktrechtsbrief ausgestellt. Das lässt darauf schliessen, dass die Wallfahrt in der Mitte des 16. Jahrhunderts eine erste Blüte erlebte.







Während des Dreißigjährigen Krieges wurden 1633 und 1635 über 300 Pesttote bei St. Coloman bestattet. Pfarrer Johann Lieb richtete 1670 eine Bittschrift an den bayerischen Kurfürsten Ferdinand Maria, um wegen des stark angestiegenen Pilgerstromes einen Neubau der Kirche zu erreichen, der 3 Jahre später dann bewilligt wurde. Schon 2 Jahre zuvor hatte der junge Wessobrunner Baumeister und Stukkateur Johann Schmuzer einen ersten Entwurf vorgelegt. Dem entsprechend wurde von 1673-1678 die Kirche großzügig neugebaut und schön ausstukkiert. In der Hauptsache waren es einheimische Handwerker, die am Bau beschäftigt waren. Die kirchliche Weihe erfolgte durch Weihbischof Johann v. Eglof am 09.05.1685.



Mit dem Colomansfest, das jedes Jahr am 2. Oktobersonntag gefeiert wird, verbindet sich die wohl bis in 16. Jh. zurückreichende Tradition des Pferdeumritts. Mehr als 200 prächtig herausgeputzte Pferde – meistens von Trachtenträgern geritten – nehmen teil. Ab 8.00 Uhr sammeln sich die Reiter am Ortsrand von Schwangau vor der Kulisse der Königsschlösser. Um 9.30 Uhr formiert sich am Rathaus der Reiterzug, angeführt von der heimischen Musikkapelle, zur Kirche St. Coloman. Bei günstiger Witterung feiert der Pfarrer von Waltenhofen / Schwangau die Hl. Messe mit allen Reitern und Besuchern im Freien. Am Ende erfolgt mit der Colomansreliquie die feierliche Pferdebenediktion und der Umritt, den die Geistlichkeit und die Ehrengäste in geschmückten Kutschen mit vollziehen.

 

In der gemeinsamen Bitte um Gesundheit für Mensch, Tier und Natur wird eine lebendige Verbindung zum Bildprogramm der Wallfahrtskirche mit ihren verschiedenen Gesundheitspatronen hergestellt. – Den Festzug begleiten 2 Musikkapellen zurück nach Schwangau. Bei der Colomanskirche stehen Verkaufsbuden bereit mit Getränken, Brezen und Würstchen, um nach guter alter Tradition bayerische Gemütlichkeit zu pflegen.




 
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